Aufkommende Risiken in Europa: Warum Prävention sich weiterentwickeln muss
Arbeitsrisiken in Europa treten in eine neue Phase ein. Ab 2026 kann Prävention nicht mehr auf historisch identifizierte Gefahren beschränkt werden, die Arbeitsplatz für Arbeitsplatz bewertet werden. Die rasante Entwicklung von Organisationen, Technologien und gesellschaftlichen Erwartungen führt zu hybriden Risiken, die oft diffus, kumulativ und mit traditionellen Methoden schwer zu erkennen sind.
Prävention muss sich daher weiterentwickeln, um relevant, wirksam und glaubwürdig zu bleiben.
Veränderungen der Arbeit und neue Risikofaktoren
Die Arbeit unterliegt tiefgreifenden Veränderungen. Automatisierung, künstliche Intelligenz, hybride Arbeit, erweiterte Fremdvergabe und Leistungsdruck verändern reale Arbeitssituationen. Diese Entwicklungen führen zu neuen Risikofaktoren:
- Kognitive und Aufmerksamkeitsüberlastung
- Verantwortungsverwässerung
- Verlust kollektiver Bezugspunkte
- Zunehmende Interaktion zwischen menschlichen, organisatorischen und technischen Risiken
Diese Risiken sind nicht immer sofort sichtbar, entfalten ihre Auswirkungen jedoch über die Zeit.

Die Grenzen traditioneller Präventionsansätze
Traditionelle Präventionsansätze basieren weiterhin weitgehend auf statischen Risiko-Snapshots: periodische Bewertungen, feste Referenzrahmen und standardisierte Verfahren. Heute stoßen diese Ansätze jedoch an ihre Grenzen.
- Rasche Veränderungen von Arbeitssituationen
- Kumulative Effekte mehrerer Einschränkungen
- Schwache Signale, die einer Verschlechterung vorausgehen
Prävention kann es sich nicht mehr leisten, nur nach Eintritt von Zwischenfällen zu reagieren.

Hin zu dynamischen und prädiktiven Präventionswerkzeugen
Ab 2026 bewegt sich Prävention in Richtung dynamischer, kontinuierlicher und prädiktiver Systeme. Ziel ist es nicht, menschliches Urteilsvermögen zu ersetzen, sondern die Entscheidungsfindung besser zu unterstützen.
- Analyse von Felddaten
- Echtzeitbeobachtung von Arbeitssituationen
- Früherkennung organisatorischer Abweichungen
Prävention wird zu einem lebendigen System, das sich parallel zur Arbeit selbst weiterentwickeln kann.

Auswirkungen auf Schulung und Sicherheitskultur
Diese Entwicklung verändert Schulung und Sicherheitskultur grundlegend. Erwartete Kompetenzen beschränken sich nicht mehr auf das Kennen von Regeln, sondern umfassen die Fähigkeit:
- Komplexe Situationen zu verstehen
- Entscheidungen unter Einschränkungen zu treffen
- Zusammenzuarbeiten und aufkommende Risiken zu melden
Die Sicherheitskultur wird stärker kollektiv, lernorientiert und adaptiv. Die Rolle des Managements ist zentral: Sinn vermitteln, Meldungen fördern und Prävention in strategische Entscheidungen integrieren.
Aufkommende Risiken definieren Prävention in Europa neu. Ab 2026 kann Prävention nicht mehr rein normativ oder top-down erfolgen. Sie muss vorausschauend, systemisch und tief in die reale Funktionsweise von Organisationen integriert sein.
Eine sich weiterentwickelnde Prävention bedeutet, dass Sicherheit nicht mehr nur eine Verpflichtung ist, sondern ein Hebel für Resilienz, Leistung und nachhaltiges Vertrauen.